“Im vergangenen Februar hätte der Philosoph Karl Jaspers seinen 125. Geburtstag feiern können. Vergessen ist Karl Jaspers nicht, aber es gibt gute Gründe, heute wieder an ihn und sein Denken zu erinnern. Denn Jaspers war alles andere als ein Bewohner des Elfenbeinturmes. Neben Martin Heidegger gehört er zu den Begründern der Existenzphilosophie, aber – im Gegensatz zu Heidegger – hat er sich kompromisslos für die Würde und die Freiheit des Einzelnen auch in dunklen Zeiten eingesetzt. 1931, schon vor dem Sieg des Nationalsozialismus, hat Jaspers mit seinem Buch über “Die geistige Situation der Zeit” auf die Probleme der Massengesellschaft, der Technokratie und der politischen “Apparate” hingewiesen. Jaspers, mit einer jüdischen Frau verheiratet, wurde 1937 von den Nazis aus seiner Professur an der Universität Heidelberg entfernt und erhielt 1938 Publikationsverbot. Doch wie kaum ein deutscher Philosoph seiner Zeit hat Jaspers weiterhin Stellung genommen zur empfindlichen Lage des Menschen in einer Welt, die sich rasant verändert. 1945, bei der Wiedereröffnung der Universität Heidelberg, wird Karl Jaspers wieder in sein Amt eingesetzt. Doch aus Protest über den Gang der Wissenschaft und der Politik in Deutschland nimmt Jaspers 1948 den Ruf an die Universität Basel an, wo er 1969 stirbt. Was hat uns Karls Jaspers heute zu sagen? Haben Philosophie und Politik etwas miteinander zu tun? Wie würde Karl Jaspers sich zur heutigen Lage der Welt äussern? Der Philosoph Hans Saner, der wohl beste Kenner von Karls Jaspers, im Gespräch mit Ursula Pia Jauch.”
[Quelle: www.sf.tv]